Masterarbeit

Sind Sie sich der zusätzlichen Kosten bewusst, die jeder Branche allein aufgrund des Mangels an Informationsaustausch in innerhalb der einzelnen Teams entstehen?

Eine aktuelle Studie beziffert die branchenübergreifenden Kosten für unzureichende Cybersicherheit aufgrund des fehlenden Informationsaustauschs auf durchschnittlich 13 Millionen US-Dollar pro Jahr. Das Schlimmste ist, dass mehr als die Hälfte davon ausschließlich darauf zurückzuführen ist das Experten ihre Informationen absichtlich zurückhalten.

Für meine Masterarbeit erforschte ich genau dieses Verhalten. „Knowledge hiding“ ist definiert bei Connelly, Zweig, Webster und Trougakos (2012) als der absichtliche Versuch einer Person, Wissen zurückzuhalten oder zu verbergen, das von einer anderen Person angefordert wurde.

Mit meiner Masterarbeit möchte ich nicht nur Organisationen dabei zu helfen, dieses versteckte Wissen zu finden, sondern auch Organisationen dabei zu helfen, ihre Ersparnisse und Gewinne zu steigern indem dieses versteckte Wissen genutzt wird. Darüber hinaus kann die Organisation mit den Ergebnissen dieser Studie HR-Richtlinien und HR-Praktiken, Teamtrainings- und Entwicklungsprogramme sowie interne Kommunikationsprozesse verbessern.

Persönlich war dieses Thema aus unterschiedlichen Gründen für mich Interessant.
Erstens, habe ich es selbst zu oft erlebt, dass Wissen aus unterschiedlichen Gründen von Mitarbeitern nicht geteilt oder verheimlicht wurde, weswegen Projekte und Aufgaben verzögert wurden oder, schlimmer noch, scheiterten. Ebenso wurde dadurch die Entwicklung von Produkten oder gar des gesamten Unternehmens verzögert oder unterbunden.
Im Zuge meiner Masterarbeit wollte ich genauer recherchieren welche Gründe es gibt Wissen bewusst zurückzuhalten und zu verbergen und wollte diese Gründe auch verstehen. Denn erst wenn man ein Problem versteht kann man es lösen.

Zweitens, mein Interesse an Psychologie und der ständigen Frage „Warum jemand so agierte wie er/sie es tat?“, sowie meine zuvor durchgeführte Recherche über die Gründe von „Knowledge hiding“ zeigte mir, dass die Persönlichkeitseigenschaften dieses Verhalten begünstigen oder vermindern. Eine Persönlichkeitseigenschaft — Self-monitoring — wurde bisher nicht in diesem Zusammenhang erforscht. Self-monitoring wird von Snyder (1974) als das Anpassen des Ausdrucks und der Selbstdarstellung eines Individuums an die soziale Situation aus Sorge um die soziale Angemessenheit, definiert. Sprich, Self-monitoring ist etwas das wir alle tun. Manche mehr, manche weniger. Weiters ergab sich bei meiner Recherche, dass sich die Gründe für Self-monitoring mit den Gründen für Knowledge hiding überschneiden. Weswegen diese Analyse noch viel umfassendere Einsicht in diese Black Box gewährt.

„How a commitment-based HR system influences the relationship between self-monitoring and knowledge hiding behavior: A Multilevel Study.“

Da ich mich auf HR Analytics spezialisiere, nutzte ich die Gelegenheit um in meiner Master Thesis weiterführende statistische Methoden (Multilevel Modellierung und konfirmatorische Faktoranalyse) und Software (R, HLM Software, SPSS AMOS) zu nutzen, die mir zuvor unbekannt waren und ich noch nie genutzt hatte. Diese fortgeschrittenen Methoden waren besonders herausfordernd, da mein Betreuer keine zusätzliche Unterstützung anbot. Ziel einer Masterarbeit ist es schließlich, die im Verlauf des Studiums erworbenen Kenntnisse und Wissen anzuwenden und somit nachzuweisen. Die Tatsache, dass ich mich für fortgeschrittene und nicht gelehrte Methoden entschieden habe, änderte nichts daran.
Dass ich mir selbst die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen musste und keine zusätzlicher Unterstützung hatte, sind zwei Gründe, warum ich stolz auf das Ergebnis meiner Masterarbeit bin.

Wie bei allem, gibt es immer Dinge, die man im Nachhinein anders machen hätte können oder doch noch einfügen hätte sollen. Im Falle meiner Masterarbeit sind dies derzeit, unter anderem, folgendes:

  • Die Anführung und kurze Erläuterung der drei Arten von Knowledge hiding (ausweichendes Verbergen, rationalisiertes Verbergen, dumm stellen) wäre nützlich für das Verständnis meiner Thesis.
  • Die Variable „Geschlecht“ würde ich als Moderator und nicht nur als Kontrollvariable nutzen. Diese würde mir erlauben die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf Self-monitoring und Knowledge hiding aufzuzeigen.

Meine Masterarbeit wurde mit einer 7.5 benotet. Umgerechnet auf den österreichischen Notenschlüssel ist dies ein schlechter 2er oder sehr guter 3er.

Ich danke allen Teams und einzelnen Teilnehmern für ihre Zeit und Teilnahme. Ohne Ihre Unterstützung wäre meine Masterarbeit nicht möglich gewesen.